Ohne Strom vor den Isles of Scilly

Samstag morgen vor den Isles of Scilly und kein Ladestrom für die Bordnetzbatterie – dem Urlaub droht das Ende. Statt dessen gibt es eine Reparatur in Rekordzeit und ein Musterbeispiel für Teamwork für Thomas Bogdain und seine Crew.

Segelboote sind primär zum Segeln da. Allerdings, wenn Flaute herrscht und wenn man sich wie wir fast das ganze Jahr auf dem Boot befindet, wird das Boot nicht nur zum Segeln verwendet, sondern auch zum Wohnen. Zugegeben, ich habe mich mit der Technik meines Bootes nicht bis ins letzte Detail beschäftigt, da ich ja primär die Natur rund um das Wasser und das Segeln genießen will und nicht in den Innereien des Bootes herumkriechen möchte, um zu sehen, wie alles im Detail funktioniert. Elektropläne gibt es leider keine von unserem Segelboot. Die Tatsache, dass wir neben den 12 Volt der Starterbatterie auch zwei Blöcke 24 Volt für den Bordverbrauch beziehungsweise für die Ankerwinsch und das Bugstrahlruder haben, macht die Sache nicht einfacher.

An einem Samstagnachmittag in den Isles of Scilly muss ich dann doch mal tief in den Maschinenraum kriechen. Auf dem Weg von Padstow dorthin lässt der Wind komplett nach, und, um in der Gezeitenströmung steuerungsfähig zu bleiben, werfen wir unseren Motor an. Da die Kapazität der 24-Volt-Bordbatterie auf 50 Prozent gesunken ist und da auf den Isles of Scilly auch nur geankert wird, kommt uns das auch aus diesem Grund gelegen, wollen wir unsere Batterien doch vorher noch vollladen. Doch jetzt kommt erst mal der Schreck: der 24-Volt-Generator gab gemäß Anzeige nur noch 2 Ampere Ladestrom ab. Wir waren 30 Ampere Ladestrom gewohnt und standen erstmal wohl vor einem nicht einschätzbaren Problem. Im Kopf gingen wir durch, was denn nicht mehr läuft, wenn die Kapazität zu Ende geht: Autopilot, Wasserpumpe, Fäkalienpumpe, alle Instrumente, der 240-V-Inverter, Hubkiel… uns wurde ganz anders. Vor Anker in St. Mary´s blättere ich erst mal das Buch: „Elektrik auf Yachten“ von Michael Herrmann durch und hatte die ersten Hinweise auf mögliche Fehler und einen Stromlaufplan. Wenig Ladestrom kann einen Defekt der Dioden des Generators als Ursache haben stand da zu lesen. Doch wo nachsehen und Dioden finden, und wie den Fehler lokalisieren? Von der komplexen Verkabelung in meinem Boot hatte ich nur eine vage Ahnung.

Da ich nicht mehr weiterkam, zog ich den „ruf einen Freund an“ Joker. Bert, gerade mit seinem Boot auf dem Weg nach Schweden, hatte gleich ein paar wertvolle Tipps: Klemm mal die Batterien ab und miss die Batterien einzeln durch, es könnte eine defekt sein. Welche Spannung liegt am Generator an? Irgendwie erschien aber nichts defekt. Alle 6 Batterien hatten die gleiche Spannung. Am Generator lag auch Spannung an, aber ob das von der Batterie kam wusste ich nicht.

Da ich auch ein Abo bei Yachtinside habe, schrieb ich (es war samstags Abend) parallel ein Mail an Michael Herrmann und beschrieb ihm das Problem. Sollte ich nicht weiterkommen, werde ich montags sicher was von ihm hören. Keine 15 Minuten später rief zu meinem Erstaunen Michael an, ob ich seine Antwort bereits gelesen hätte. Habe ich natürlich noch nicht, ich war ja im Maschinenraum und versuchte was zu finden.

Nach dem 10-minütigen Gespräch mit Michael habe ich einen Plan von ihm, wie der Fehler eingekreist wird:

Motor an, Ausgangsspannung am Generator messen: 27,5 Volt. Eingangsspannung an den Batterien messen: 24,4 Volt. Wenn die Spannung nicht gleich ist: liegt der Fehler dazwischen und der Generator ist ok. Ich habe für das Bugstrahlruder und die Ankerwinsch noch einen zweiten Batterieblock. Da muss ein Ladeverteiler sein zu den beiden Batterieblöcken, wo ist der Verteiler? Ich habe keine Ahnung. Dazu muss man ja nur den dicken Kabeln folgen, die vom Generator wegführen. Ich finde am Ende des Pluskabels tief im Maschinenraum den Verteiler. Eingang- und Ausgangspannung werden am Verteiler gemessen: Eingang 27,4 – Ausgang 24,4. Treffer! Michael riet mir, den Verteiler zu überbrücken, um die Bordbatterie vorrübergehend wieder laden zu können. Ich klemme alle drei dicken Kabel auf eine Klemme an dem Verteiler und starte den Motor: die 30 Ampere Ladestrom sind wieder da. Sofort bestelle ich online einen neuen Verteiler und adressiere ihn zum nächsten Hafen – nach Penzance. Wie wir dann letztendlich eine Woche später über Umwegen im Getümmel des Hafens von Penzance an unseren neuen Verteiler kommen, das ist eine andere Geschichte.

Fazit: Trotz samstags Abend prompte, schnelle und sehr kompetente Hilfe von Michael Herrmann. Nicht lange herumgestochert, ein klarer Plan zur Fehlereingrenzung steht nach 10 Minuten. Ohne seine Hilfe wären wir wohl am nächsten Tag schon von den Isles of Scilly nach Penzance gefahren und hätten bis Montag dort auf einen Fachmann warten müssen. Nach der systematischen Fehlersuche und der provisorischen Fehlerbehebung stand aber unserem einwöchigen Aufenthalt auf den Isles of Scilly nichts mehr im Wege. Das Abo bei Yachtinside und die rasche Hilfe durch Michael Herrmann hat uns den Urlaub gerettet.

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