Auflandiger Wind vor Anker und der Motor macht keinen Mucks!

Nachts in einer einsamen und nicht so bekannten Bucht in Kroatien vor Anker am Ende einer schmalen und langen Bucht auf der Nordwest-Seite der Einfahrt zur Stadt Vis: Der Wind dreht entgegen aller Vorhersagen und der Königskreuzer 33 liegt auf Legerwall am Ende einer schmalen Sackgasse – jetzt ist die Crew auf den Motor angewiesen!

Seit 20 Jahren segeln wir auf einem Oldtimer (Königskreuzer 33) der Familie in Kroatien. Viele Jahre meine Frau und ich alleine und mit der Geburt der Kinder zuerst zu Dritt und heute zu Viert. Unsere Kinder – 11 und 8 Jahre alt – kennen seit dem ersten Lebensjahr nur Segelurlaub in Kroatien. Meistens liegen wir nachts in einsamen und nicht so bekannten Buchten, wenn es das überhaupt noch gibt in Kroatien, vor Anker. So auch dieses Mal auf der Insel Vis am Ende einer schmalen und langen Bucht auf der Nordwest Seite der Einfahrt zur Stadt Vis.

Jeder von Euch Seglern kennt „Murphys Law“: selten kommt ein Dilemma allein! So auch dieses Mal. Der Wind drehte entgegen aller Vorhersagen (also ein lokaler Effekt, die Kroaten nennen das eine kleine Boralina) plötzlich auf Ost und wir lagen auf Legerwall vor Anker am Ende einer schmalen Sackgasse. An sich kein Problem mit unseren 27 PS starken Volvo Penta Diesel, für diese Schiffsgröße mehr als ausreichend. Kommando an die Kinder „Anker auf, wir verlassen die Bucht!“. Damit die Ankerwinde mehr Power hat und ich gegen den Wind unterstützen kann, versuchte ich, den Motor anzulassen. Vergebens! Nicht einen kleinen Mucks. Nichts. Was nun?

Alternative 1: wir sind schließlich ein Segelboot. Aber für Segel hoch und Anker auf, war die Bucht zu schmal und wir hatten vor allem nach hinten keinen Raum. Keine Lösung!

Alternative 2: für den Fall der Fälle haben wir eine Edelstahlkonstruktion, die wir anstelle der Badeleiter fest platzieren können, um unseren 2,5 PS starken Außenborder zu installieren. Der Außenborder hatte aber schon Tage vorher seinen Geist aufgegeben. Keine Lösung!

Alternative 3: Werkzeugkasten raus und Motorraum auf. Alle Tricks wie Service- und Starterbatterie kurzschließen, mit dem Hammer auf dem Anlasser rumgeklopft… Alles, was man halt von den alten erfahren Skippern im Laufe der Jahre schon gehört oder selber erlebt hat. Nach zwei Stunden erfolgloser Suche auf schwankenden Boot genervt den Motorraum wieder geschlossen. Keine Lösung!

Alternative 4: nach 20 Jahren haben wir viele Freunde mit Booten in Kroatien – so auch auf Vis und Hvar – und versuchten diese telefonisch über Handy zu erreichen. Zwei verschiedenen Anbietern (Vodafone und Telekom) zum Trotz in dieser Bucht kein Empfang! Keine Lösung!

In der Zwischenzeit setzte sich Gott sei Dank, die angekündigte Windrichtung gegen den lokalen Wind durch und wir konnten unter Segeln (Wind von achtern) entspannt aus der engen Bucht segeln.

Gleich zwei Buchten weiter auf der Westseite gibt es einen Anleger mit Mechanikern. Wir dort angelegt und um Hilfe gebeten. Die haben auch sofort unterstützt und mit einem Schraubenschlüssel am Motor das Schwungrad an eine andere Stelle bewegt und der Motor sprang sofort an. Noch zweimal erfolgreich angelassen und wir dachten, jetzt ist wieder alles gut. Der Mechaniker konnte mir nicht sagen, was das Problem war, beziehungsweise die Lösung ist und erzählte mir was von eindringendem Wasser von hinten durch den Auspuff und das ich wohl ein wenig Wasser zwischen Kolbenboden und Brennraumdecke hatte. Das konnte – selbst ich als gelernter Kaufmann – mir nicht vorstellen. Ganz klar, wir brauchen einen Spezialisten. Aber erst mal ging wieder alles gut und erst zwei Tage später sprang der Motor wieder nicht an. Das Problem kannten wir jetzt ja und auch den Workaround. Mit Schraubenschlüssel sprang der Motor wieder an.

Was macht der Kaufmann, wenn er ein technisches Problem hat. Ganz klar, er ruft seinen Ingenieur zu Hause an! In dem Falle meinen Schwiegervater, der als Professor der Physik selber schon viele Stunden in die Technik des Bootes investiert hat und in meinen Augen der beste Skipper auf der Adria ist.

Aber auch mein Professor konnte mir nicht sagen, was das Problem ist. Wen also ruft der Professor der Physik an, wenn er nicht mehr weiter weiß?

Lösung: Alias, Michael Herrmann von Yachtinside. Nach ein paar Emails hin und her, kam die Antwort und Empfehlung von Michael: „Klare Sache: Startermotor verschlissen. Der Startermotor beziehungsweise das Ritzel wird vom Magnetschalter in den Zahnkranz auf der Schwungscheibe „eingespurt“, das heißt, das Startermotorritzel vollführt gleichzeitig eine Drehbewegung, während es in den Zahnkranz auf der Schwungscheibe geschoben wird. Bis dahin läuft das ganze über die sogenannte „Einrückwicklung“ des Magnetschalters, wenn das Ritzel mit dem Zahnkranz auf der Schwungscheibe formschlüssig verbunden ist, soll die „Haltewicklung“ die Stromversorgung übernehmen. Der eigentliche Startermotor soll jetzt „richtig“ drehen. Macht er aber nicht, wenn zum Beispiel eine der Lamellen am Kollektor verschlissen ist. Die Positionen von Startermotoranker, Schwungscheibe und infolgedessen des Zahnkranzes zueinander sind jetzt fixiert. Wird der Startermotor nun „ausgeschaltet“ und die Schwungscheibe ein Stück weiter gedreht, steht die Kollektorlamelle und der Zahnkranz woanders, das ganze läuft noch einmal. Theoretisch müsste etwa jeder 12te oder 16te (Je nach Polzahl des Anlassers) Startversuch misslingen. Ich schätze, der Startermotor muss ausgetauscht werden. Und dabei sollte der Zahnkranz auf der Schwungscheibe geprüft werden.“

Lieber Leser von Yachtinside: Für mich als Kaufmann klang das zwar wie chinesisch, aber mein Professor war total begeistert von der Antwort und hatte seinen Meister gefunden.

Mit dem Google-Übersetzer habe ich das „Chinesisch“ in Englisch übersetzt und als Mail an unseren Volvo Penta Techniker in Split versendet und – wieder zurück im Hafen – den Auftrag erteilt. Resultat: der Motor springt heute wieder jedes Mal ohne Probleme an.

Irgendwie beruhigend so ein funktionierender Motor!

Dem Michael Herrmann gilt auf jeden Fall die Hochachtung des Professors und der Dank der ganzen Familie Müller-Haberland auf dem Königskreuzer in Kroatien!

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